Blankenheim - Ahrhütte
(345 m 220 Einwohner) Dieser Gemeindeteil liegt in
reizvoller Lage direkt an der Ahr. In der Gemarkung Ahrhütte endet das
Wacholder-Naturschutzgebiet Lampertstal.
Die Geschichte von Ahrhütte ist zweigeteilt. Der Ortsteil
rechts der Ahr gehörte zu Dollendorf der links der Ahr zu Lommersdorf bzw. zum
Herzogtum Arenberg. In Ahrhütte und in der nahe gelegenen Stahlhütte wurden
die in Lommersdorf und in Freilingen gefundenen Eisenerze der Arenberger verhüttet.
Der ehemalige Gasthof "Zur Linde" (mit Arenberger Wappen) war früher
(1677) das Verwaltungsgebäude der Hütten. In Ahrhütte sind noch weitere Reste
der früheren Eisenwerke zu sehen so auch der Stollenhof (16. Jh.). 
Aus der Geschichte des Ortes Ahrhütte
von Hans-Peter Schiffer
Die 1930 eingeweihte Kirche in Ahrhütte.
In Ahrhütte stellte man vermutlich seit der Zeit um 1475 Bau- und Stabeisen
sowie Waffen her, und die Arenberger unterhielten in Ahrhütte ihre landeseigene
Waffenschmiede. 1511 musste der Hofinhaber zu Ahrhütte an die Burgherren auf
dem Aremberg 15 Malter Korn und 15 Malter Even (Hafer) abliefern. Das
altdeutsche Getreidemaß Malter (mahlen) umfasste 100 bis 150 Liter. 1550/51
verbuchte der Arenberger Rentmeister eine Einnahme von 33 Gulden aus dem Zoll in
Ahrhütte. Im 16. Jahrhundert galt im Arenberger Land der Erlass: an kirmes mach
kein wirdt zappen. 1551 ersteigerte der Wirt Goddart aus Lommersdorf den
Ausschank für die Kirmiß auff der Hutten (Ahrhütte). Das sehr erträgliche
Geschäft durch den Ausschank von Getränken an den Kirmestagen behielt sich der
Landesherr selbst vor. 1551 bestrafte der Amtmann die von der obersten huitten
(Ahrhütte), weil zu nächtlicher Stunde im Wald Kohlen weggenommen hatten, di
in nit zu stendlich. In den Abgabelisten über Zinshühner, Rauchhühner und
Kapaune (gemästete Hähne) aus der Zeit zwischen 1557 und 1607 sind für die
Einwohner von Ahrhütte keine Abgaben verzeichnet. Die Ahrhüttener waren Freie
und brauchten diese Abgaben nicht zu leisten. 1578 schrieb sich ein Johann
Krummel in das Studentenverzeichnis in Köln ein, möglicherweise stammte er aus
der Familie Krummel, die damals das Eisenwerk Ahrhütte betrieb. 1580 lieferte
die Mühle in Ahrhütte an die Burg Arenberg ein Hofschwein von 102 Pfund ab.
1591 waren Meister Johann Krummer und Meister Reinhart aus Ahrhütte als schöffen
und berggeschworene aufm Eyssensteinberg zu Lommersdorff tätig. 1601 bestand
Ahrhütte aus 20 Häusern. Der Industriebetrieb Ahrhütte links der Ahr gab der
um die Eisenhütte entstehenden Ortschaft den Namen Ahrhütte. Zu dieser
gesellte sich auch ein Siedlungsgebiet auf dem rechten Ahrufer. Hier war
Dollendorfer Hoheitsgebiet, auf dem wahrscheinlich damals schon eine Mühle
stand. An diese erinnert heute noch die Straßenbezeichnung Mühlenberg. Die
Ahrhütte hatte man obere Hütte genannt, um sie von der Antweiler Hütte
(untere Hütte) zu unterscheiden. Von Herbst 1624 bis Mai 1625 wurden in Ahrhütte
260 Wagen Eisenerz aus dem Erzberg Lommersdorf verhüttet. Der ehemalige Gasthof
"Zur Linde", der noch das Arenberger Wappen trägt (Herzogskrone,
Hermelin und Goldenes Vlies), war 1677 das Verwaltungsgebäude (Reitmeisterhaus)
der Ahrhütte und der Stahlhütte. Als Rest der früheren Eisenwerke ist der aus
dem 16. Jahrhundert stammende "Stoffenhof" erhalten. Urkundlich erwähnt
findet man Ahrhütte auch im Schöffenbuch von Lommersdorf, das man im dortigen
Pfarrarchiv aufbewahrt. Zur Ahrhütte und zur Antweiler Hütte gesellte sich im
späten Mittelalter noch eine dritte Hütte, die Stahlhütte, die unterhalb des
alten Dorfes Dorsel lag. Für den Ort Ahrhütte fand man die Bezeichnung "Forges
d'Ahrhüth" (Schmiedewerke), im Volksmund nennt man Ahrhütte "Op dr Hött"
und Ahrhött". Eine Kaminplatte mit dem Arenberger Wappen wurde um 1625
vermutlich in der Ahrhütte gegossen. Die Platte ist 78 cm hoch und 92 cm breit.
Sie gehört zur Herdplattensammlung im Eifelmuseum Blankenheim, wo man 84
Takenplatten aus Eifeler Hütten sehen kann. Das Arenberger Wappen auf der
Herdplatte wird gehalten von zwei Löwen. Es ist gekrönt mit dem Herzogshut und
umgeben von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies, einer vom Herzog von
Burgund gegründeten Gesellschaft. In diesen Orden wurden nur Fürsten
aufgenommen. Eine zweite Kaminplatte, vermutlich um 1575 in der Ahrhütte
gegossen, ist 73,5 cm hoch und 79 cm breit. Sie zeigt drei Frauengestalten, die
unter schwebenden Bögen auf Schuppenkonsolen stehen. Auf der linken Seite der
Platte ist die sinnbildliche Figur "Fides" (Glaube) mit Kelch, Hostie
und Kreuzstab dargestellt. In der Mitte der Platte sieht man "Patientia"
(Geduld) mit Zaumzeug und Lamm als Zeichen der Langmut, Ausdauer und Nachsicht.
Rechts erblickt man "Temperantia" (Mäßigung), diese Frau gießt
Wasser in ein Weinfass. Um 1790 zählte Ahrhütte auf dem nördlichen Ufer der
Ahr im Herzogtum Arenberg 40 Einwohner.
1715 zahlte der Hüttenmeister der Ahrhütte für 143 Karren Holzkohle aus
Pelm 234 Gulden. Die Frachtkosten bezifferte er auf 191 Gulden. Aus Wallenborn
holte man im selben Jahr 141 Karren, die Fracht betrug rund 300 Gulden. Zum
Transport der Holzkohle dienten aus dünnen Stäben geflochtene, zweirädrige
Karren, die meistens von zwei Ochsen gezogen werden. Um 1792 betrieb man die
Ahrhütte mit einem Hochofen und zwei Frischfeuern. Die Stahlhütte verfügte zu
Beginn des 19. Jahrhunderts über zwei Hochöfen und vier Frischfeuer. Ab 1794
(Beginn der Franzosenherrschaft in der Eifel) diente die Ahrhütte zur Dotierung
der Ehrenlegion. 1836 bestanden im Kreis Schleiden 22 Eisenwerke, darunter auch
Ahrhütte, wo man in diesem Jahr noch 4500 Zentner (16.200 Taler) Stabeisen und
8000 Zentner Roheisen (19.200 Taler) produzierte. Die Besitzer der Ahrhütte
waren Th. Faymonville aus Kronenburg und J. Th. Peuchen aus Jünkerath. 1855
nahm man auf der Ahrhütte noch Neubauten vor, wie ein Keilstein anzeigt, doch
1861 führte die rückläufige Entwicklung der Eifeler Eisenindustrie zur Schließung
der Hütte. 1870 blies man das letzte Feuer in der Ahrhütte aus. Die Ahrhüttener
Straßenbezeichnungen "Am Hammerwerk", "Hüttenstraße",
"Hüttenhof" und "Hüttenberg" halten die Erinnerung an die
Zeiten wach, in denen der Wohlstand der Bewohner von Ahrhütte auf der Arbeit
der Bergmänner und Hüttenarbeiter beruhte. Nach dem Ende der Eisenindustrie in
Ahrhütte begann man hier mit der Herstellung von Hohlziegelsteinen. In den
Tonlagern bei Neuhof, auf einer alten Karte neuer Hoff" genannt, fand man
das nötige Rohmaterial. Die Ziegelherstellung bildete aber keinen Ersatz für
die Eisenindustrie und war auch nur von kurzer Dauer. Erst als man 1910 mit dem
Bau der Bahnstrecke von Ahrdorf nach Blankenheim-Wald begann, fanden die
Bewohner der Orte an der Oberahr bis zur Fertigstellung der Bahnstrecke 1913
neue Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten.

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