404 Jahre Karneval in Blankenheim

Karnevalsknigge
 

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Karnevalsknigge

Karneval in Blankenheim zieht in jedem Jahr Zehntausende Besucher an. Manche kommen extra von weit her, um sich das Spektakel einmal anzusehen, manche folgen der Einladung von Freunden, manche sind gerade zufällig in der Stadt und plötzlich mittendrin. Eins ist allen gemeinsam: Sie haben keine Ahnung, worauf sie sich einlassen und was es eigentlich heißt, in Blankenheim Karneval zu feiern. Aus dem Fernsehen kennt man vielleicht Sitzungen und Übertragungen des Geisterzuges, doch das hilft in der Praxis kaum weiter. Was macht man eigentlich, wenn man Karneval feiert? Wo feiert man? Wie feiert man? Und mit wem?

Zwischen Weiberfastnacht und (Donnerstag) und Aschermittwoch gibt es eigentlich nur zwei karnevalistische Stätten: die Kneipe und die Straße bzw. eine Mischung von beidem. Und es gibt nur eine Erscheinungsweise: im Kostüm und in einer Gruppe.

Planung ist hier die halbe Miete, und als Anfänger darf man sich nicht darauf verlassen, daß sich irgend etwas ergeben wird. (Darauf vertraut noch nicht mal der echte Jeck.) Gewisse Punkte müssen im Vorfeld beachtet und geklärt werden, und gewisse Regeln müssen internalisiert sein.

Was also müssen Sie wissen, bevor Sie sich nach Blankenheim begeben, um Karneval zu feiern? Wie lauten die Hauptregeln des karnevalistischen Knigge?

1)

Als Anfänger sollten Sie NIE versuchen, allein oder zu zweit zu feiern, denn das macht keinen Spaß. Verabreden Sie sich mit einer Gruppe, in der sich mindestens ein Kölner befindet. Es muß kein gebürtiger Blankenheimer sein, ein karnevalserprobter Zugezogener tut es auch. Sollte das nicht möglich sein, tun Sie sich mit Leuten zusammen, von denen Sie wissen, daß man gut mit ihnen feiern kann.

2)

Kommen Sie nicht nur für einen Tag. Gerade als Anfänger braucht man eine gewisse Zeit, um den Kulturschock zu überwinden. Kommen Sie Weiberfastnacht an, und zwar nachmittags.

3)

Verkleiden Sie sich, denn um nicht außen vor zu bleiben, muß man sich auch äußerlich der Umgebung anpassen.

4)

Lassen Sie allen unnötigen Ballast zu Hause. Geld und Schlüssel in der Hosentasche, viel mehr braucht man nicht. Nehmen Sie bloß keine Taschen oder Rucksäcke mit, denn die kommen leicht abhanden. Handys sind sinnlos, denn zum Telefonieren ist es zu laut. Sie werden Kneipen betreten, in denen sich so viele Menschen befinden, daß Sie das Wort Gedränge völlig neu definieren müssen.

5)

Auch wenn Sie von diversen Veranstaltungen gehört haben, die man sich ansehen sollte, hecheln Sie nicht von Termin zu Termin. Sie müssen die Eröffnung des Karnevals am Rathaus nicht miterleben - das tun die meisten Blankenheimer auch nicht.

6)

Suchen Sie sich lieber eine Kneipe. Die Wahl ist von entscheidender Wichtigkeit. Auch wenn Sie mit dem Zug ankommen und das Gefühl haben, hier ist was los: Entziehen Sie sich dem Dunstkreis der Altstadt, dort finden Sie nur Auswärtige, die Karneval feiern möchten, ohne zu wissen, wie man das macht. Begeben Sie sich in die Ahrstrasse. (Das gilt nicht für Rosenmontag. Aber an Rosenmontag sollen Sie ja auch nicht ankommen.)

7)

Essen Sie etwas Deftiges: Sie brauchen eine Grundlage.

8)

Stecken Sie Ihren Kopf durch die Tür einer Kneipe, in der schon Stimmung zu herrschen scheint. Wenn Sie das Gefühl haben, dort wird gefeiert, gehen Sie hinein. Gehen Sie zunächst an die Theke, und kaufen Sie eine Runde Kölsch, d. h. versorgen Sie alle mit Bier, die mit Ihnen gekommen sind.

9)

Jetzt kommt das Wichtigste: Machen Sie sofort mit. Karneval ist keine intellektuelle Leistung, sondern kommt aus dem Bauch, darauf muß man sich einlassen. Bleiben Sie locker, und hören Sie auf, sich selbst zu beobachten. Trinken und schunkeln Sie, Singen und Tanzen Sie mit! Machen Sie das, was alle tun. Wenn sich einer bei Ihnen einhakt, schütteln Sie ihn nicht ab, sondern lächeln Sie ihn an. Wenn Ihnen einer Kölsch über den Arm schüttet, lachen Sie und sagen Sie, das macht nix. Singen Sie mit, auch wenn Sie die Lieder (noch) nicht können. Nerven Sie die Mitfeiernden nicht durch permanente Fragen nach dem Text. Wundern Sie sich nicht, daß manche Leute alle Lieder mit allen Strophen auswendig können. Fragen Sie nicht, warum sie das können. Wer jedes Jahr an allen Tagen feiert, kann das. Versuchen Sie lieber, davon zu profitieren, und lesen Sie ihnen von den Lippen ab.

10)

Auch wenn es eng wird: Lassen Sie keine klaustrophobischen Anfälle zu. Es ist in einer Kneipe noch niemand erdrückt worden. Wenn es Ihnen zu eng wird, gehen Sie nicht hinaus, um Luft zu schnappen. Sie kommen dann nämlich nicht mehr rein.

11)

Fragen Sie sich nicht, ob so viel Bier gesund ist und ob Sie am nächsten Tag noch sprechen können. Das ist irrelevant.

12)

Erst wenn Sie gar nicht mehr können, gehen Sie hinaus, um Luft zu schnappen. Vielleicht ist die Gruppe auf der Straße ja noch netter als die, mit der Sie gekommen sind. Gehen Sie dann wieder hinein. Es dürfte mittlerweile so spät sein, daß es kein Problem mehr ist.

13)

Verabreden Sie sich, bevor Sie endgültig nach Hause gehen, d. h. in der gleichen Nacht, mit Ihrer Gruppe für den nächsten Tag. Oder wann Sie miteinander telefonieren. Wenn es Ihnen in einer Kneipe gefallen hat, gehen Sie am nächsten Tag wieder dorthin. Es geht nicht darum, möglichst viel zu sehen, sondern möglichst viel zu feiern.

 

Wenn Sie diese Regeln beherzigen werden Sie sich im Karneval weder verloren fühlen noch verlorengehen und nie wieder unangenehm auffallen. Sie werden langsam vom Anfänger zum Jeck mutieren. Sie werden nie mehr während des Rosenmontagszuges fragen, wann denn die Prinzessin kommt, Sie werden nie mehr singen, daß der Sultan durch will (nein, er duscht auch nicht, sondern er hat "Doosch" = Durst), Sie werden nie mehr ein Kölsch nur für sich kaufen, Sie werden nie mehr im Kostüm zur Galasitzung gehen, und Sie werden voller Trauer sein, weil am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Karneval ist ein eifler Fest, das auf kölsch gefeiert wird, und die hochdeutschen Begriffe füllen sich mit völlig neuen Inhalten. Das macht es so schwierig für Zugereiste, denn was man nicht versteht, kann man auch nicht feiern.

In diesem Sinne: Dreimol Blangem Juh-Jah

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