398 Jahre Karneval in Blankenheim

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Mit „Juh-Jah“ durch die Gassen
 

VON MICHAEL THALKEN, 23.02.04, 

An die 5000 Besucher schlugen im Eifelörtchen Blankenheim die Wintergeister in die Flucht.
Blankenheim - Unter Straßenkarneval stellt man sich eigentlich eine farbenfrohe Großveranstaltung vor, „Kamelle“ und Strüssje“ werfende Jecke, viel Glimmer und Glitzer und jede Menge individuell kostümierte Narren.
Doch in Blankenheim ist seit Jahrhunderten alles anders: Hier wartet man mit dem karnevalistischen Treiben bis zum Einbruch der Dunkelheit. Punkt 19.11 Uhr stellt die Gemeinde dann auch noch die Straßenbeleuchtung ab. Es wird stockfinster in den alten, kopfsteingepflasterten Gassen. Und dann kommen sie: die Geister, die seit Urväterzeiten nicht auf ausgefallene Verkleidung, sondern auf kollektive Kostümierung setzen.
Mit ihren komplex gedrehten Eselsohren am schneeweißen, über den Kopf gestülpten Linnen sammeln sie sich in der Nähe des Rathauses. Dort werden die mit der Tradition noch nicht vertrauten Neuzugänge von vielen helfenden Händen rasch ordnungsgemäß hergerichtet. Im Schein von Pechfackeln wartet das Geistervolk schließlich auf seinen geflügelten Obergeist.
Längst sind es nicht mehr nur die Blankenheimer selbst, die mit Pechfackeln und unter merkwürdigen „Juh-Jah“-Rufen durch die Gassen springen. Jahr für Jahr strömen mehr Menschen aus der gesamten Euregio zu diesem außergewöhnlichen Ereignis, das weit und breit einzigartig ist und, salopp betrachtet, an eine Mischung aus Echternacher Springprozession und ausgeufertem St.-Martins-Umzug erinnert. 5000 Besucher sollen es in diesem Jahr gewesen sein, darunter 2000 hüpfende Geister. „So viele Menschen waren hier noch nie“, freute sich der Präsident des „Karnevalsvereins Blankenheim 1613“, Daniel Lörcks. Und Gemeinde-Pressesprecher Erich Schell pries das Ereignis als gelungene Symbiose aus Brauchtum und Tourismus.
Während die „Kaisergarde“ immer wieder musizierend auf und ab durch den Ort marschierte, machten sich am Rathaus langsam die Hexen fertig. Nach Eintreffen des geflügelten Obergeistes, Prinz Peter V., der mit seinen blutrot unterlaufenen Augen recht apokalyptisch anmutete, stürmten die Hexen sogleich los und fegten jedem, der ihnen im Weg stand, kräftig über die Füße. Den Besenreiterinnen folgten die „Jecke Böhnche“ (Sebastian Reiferscheid und Philipp Heller), die mit ihrem Säbel in der Hand eine höchst seltsame Vorstellung gaben: Erst ging's vier kleine Stolperschritte geradeaus, dann kam ein Hopser, schließlich eine Kehrtwende, und alles ging wieder von vorne los.
Hinter den „Böhnche“ trug Guido Esch, begleitet von Finanzpage Siegfried und einem garstig aussehenden Teufel, das „Schelleböumche“ durch den Ort. Es folgte Obergeist Prinz Peter, der wie alle seine Vorgänger eigens lernen musste, wie man sich geschlagene zwei Stunden auf einem Pferd festhält, ohne herunterzufallen. Im Ernstfall hätten ihm seine Flügel schließlich nichts genutzt.
Dem bleichen Obergeist strömten gut 2000 springende Gespenster aller Altersstufen nach. Von der „Kaisergarde“ und den Musikvereinen aus Hüngersdorf, Blankenheimerdorf und Mülheim angeheizt, sangen und schrien die Jecken immer wieder: „Ne richtije Fastelovendsjeck, dä freut sich övver jede Dreck!“ Am Georgs- und am Hirtentor gab's denn so gesehen auch viel Grund zur Freude: Der Rauch der dort angebrachten, blutrot leuchtenden bengalischen Feuer zog nämlich direkt unter die Tore und verursachte bei den durcheilenden Geistern so manchen Reizhusten. Pferdeführer und Herzpage Joachim Nelles hatte darüber hinaus gut zu tun, um das aus Kallmuth stammende Reittier im Zaum zu halten, das angesichts des Feuers instinktmäßig Gefahr witterte.
Auf der Ahrstraße hatte sich ein Kamerateam des WDR installiert. Anders als im letzten Jahr durfte der Obergeist aber nicht während seines Rittes interviewt werden. „Das hat sich als recht störend erwiesen“, meinte Präsident Lörcks, der sich darüber hinaus an „ein völlig ausgeflipptes Pferd“ erinnerte. Die Fernsehleute begnügten sich daher damit, die gespenstische Szenerie in gleißendes Scheinwerferlicht zu tauchen und das tobende Geisterheer seines Weges ziehen zu lassen.

 

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