398 Jahre Karneval in Blankenheim

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Kreischen unterm Bettlaken

Selbst Karnevalsmuffel lässt das gespenstische Treiben beim Schein der Pechfackeln nicht kalt.

Blankenheim - Am eindrucksvollsten ist der Augenblick, wenn die Musikkapelle kurz davor ist, den „Juh-Jah“-Refrain anzustimmen. Genau in diesem Moment setzt ein markerschütterndes Gekreische ein. So wie jeden Karnevalssamstag seit fast 400 Jahren. Der Geisterzug in Blankenheim ist eben, was die Tradition anbelangt, schwerlich zu toppen. Bei der jüngsten Auflage des gespenstischen Treibens rund um die Ahrquelle waren wieder Tausende von Schaulustigen in den idyllischen Burgort geströmt.

Die Zahl der Zugteilnehmer dürfte schwer zu beziffern sein. Einige hundert waren in jedem Fall mit von der Partie. Sie hatten sich nach alter Sitte in Bettlaken gehüllt und deren Zipfel an der Stirn zu zwei Hörnern verknotet. Wer mit der Erstellung dieses denkbar einfachen Karnevalskostüms überfordert war, dem wurde von kundiger Hand geholfen.

Schließlich sind die Blankenheimer verdammt stolz auf ihren Geisterzug, den es in dieser Form so in ganz Deutschland kein zweites Mal gibt. Das, was unter diesem Namen in Köln durch die Straßen zieht, wird von den Eifelern allenfalls mitleidig belächelt. Tatsächlich wird der Ursprung des närrischen Treibens beim Blankenheimer Geisterzug direkt spürbar: Die Winterdämonen sollen vertrieben werden, damit es endlich wieder Frühling wird. Nun muss man sich in der kalten Eifel zwar noch auf einige Wochen Frost, Schnee und Eis gefasst machen, weil Karneval diesmal ungewöhnlich früh im Jahr stattfindet. Aber man darf sich ja trotzdem schon mal auf die wärmere Jahreszeit freuen.

Die Art, wie die Blankenheimer das seit Generationen machen, hat einen besonderen Charme, der selbst ausgemachte Karnevalsmuffel nicht kalt lässt. Wenn die „Jecke Böhnche“ und das „Schelleböumche“ mit dem Obergeist im Schlepptau das Zeichen zum Start geben und sich die weiß gewandete Meute unter Geschrei in Bewegung setzt, kriegt man eine Gänsehaut.

Weil die Gassen in Blankenheim ziemlich eng sind, hallt das unaufhörliche Kreischen auch noch wunderbar wider. Während die Geister, sich an den Händen haltend, im Spezialschritt von einer Straßenseite zur anderen hüpfen, wird zwischendurch immer wieder das Traditionslied „Juh-Jah, Krebbel in de Botz, wer dat net hät, der es nex notz“ angestimmt.

Aus der Schar der springenden Betttücher ragt natürlich der Obergeist mit seinen weißen Flügeln heraus. Den Job macht jeweils der amtierende Blankenheimer Karnevalsprinz, der in diesem Jahr Christoph Cäsar heißt und im normalen Leben evangelischer Pfarrer ist. Er durfte sich das beeindruckende Spektakel ganz locker vom Pferdesattel herab betrachten.

Glücklicherweise machte das Ross trotz Gekreische, Fackeln und bengalischen Feuern keine Zicken und trug den Obergeist brav über das Kopfsteinpflaster der Blankenheimer Gassen bis zur Weiherhalle, wo der finale Schwof angesagt war. Natürlich hat der Obergeist auch einen Hofstaat, der ihm im Zug zur Seite steht. Als da wären die „Jecke Böhnche“, so eine Art Bodyguards, und das „Schelleböumche“. Am hell erleuchteten Hirtentor steht seit alters her die kaiserlicher Garde stramm und achtet darauf, dass die Geister nicht aus dem Ruder laufen. Aber in dieser Hinsicht lief alles glatt. Nach knapp einer Stunde war der Spuk vorbei.

(KStA)

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